Eine gute Friseurin macht die Haare schön. Außerdem behält sie Geheimnisse für sich, tröstet und bringt
einen zum Lachen. Ein Hoch auf einen der wichtigsten Berufe überhaupt. Aus den Rostocker Quartieren sind die Haarprofis nicht wegzudenken – allein bei der WIRO haben sich 24 Friseursalons eingemietet. Sie sind treu: Im Durchschnitt sind sie seit 19 Jahren Mieter. Wir stellen einige vor.
Treffpunkt
Bei Beatrice Grunwald war in diesem Jahr nix mit großer Silvestersause. Die Friseurmeisterin und ihr Mann haben die Feiertage auf einer Baustelle verbracht. »Wir haben die Zeit zum Umbau genutzt.« Alles ist neu: Boden, Wände, Mobiliar. Schon 2022 hat die 42-Jährige den Salon in der Ulrich-von-Hutten-Straße, mit Kosmetik und Fußpflege, übernommen. Beatrice Grunwald wusste, was sie erwartet, denn seit ihrer Gesellenprüfung im Jahr 2003 gehört sie zum Team. »Dieses Team zu erhalten, war ein Grund für meinen Schritt in die Selbstständigkeit.« Auch den Stammkundinnen ist ein Stein vom Herzen gefallen. Für sie ist der Salon ein Herzstück von Reutershagen. »Bei uns laufen sich ehemalige Schulfreundinnen oder frühere Nachbarn wieder über
den Weg.« Für Alleinstehende ist ein Friseurtermin manchmal auch eine Art Gesprächstherapie. »In unserem Job muss man zuhören können.« Beatrice Grunwald lauscht gern Geschichten aus dem Leben und von früher. Nur beim Thema Politik lenkt sie um. »Das ist heikel.« Reutershagen verändert sich. »In den vergangenen Jahren sind viele Familien in den Stadtteil gezogen.« Ihre Kundschaft und die Wünsche werden bunter, an den Frisierstühlen wird´s nie langweilig.. Das Team verpasst Kleinkindern den ersten Haarschnitt, Teenager-Jungs einen Vokuhila. Die Haarprofis verschönern Frauen mit der Balayage-Technik bis hin zur altbewährten Lockwelle.
»Beatrice Friseurhandwerk« | Ulrich-von-Hutten-Straße 34 |
0381 808 3133 | www.beatrice-friseurhandwerk.de
Haare und Menschen …
… das ist Gerlinde Möllers Leben. 1962 kam sie als Gesellin in den »Herrensalon Vogel« in der Langen Straße 1. Der Salon ging später in der PGH »Modefrisur« auf. Aus der Produktionsgenossenschaft wurde nach der Wende eine GmbH, seit 2001 ist Gerlinde Möller die Geschäftsführerin. 13 Salons in Rostock gehören zu »Modefrisur«.
Nicht nur für Prinzessinnen
Cindy Wrobel ist ihr schönstes Aushängeschild. Ihre goldblonden, dicken Haare reichen ihr bis zur Taille. »Cinderella Hair« kann jede haben, sie weiß es am allerbesten. Ein Steckenpferd der sympathischen Friseurmeisterin: Sie näht Tressen aus Echthaar ins Haar ihrer Kundinnen ein und zaubert ihnen eine dichte, lange Mähne. Seit 25 Jahren schneidet, strähnt und föhnt Cindy Wrobel mit Leib und Seele. Als vor drei Jahren der Salon in der Wokrenter Straße zum Verkauf stand, hat sie nicht lang gefackelt und wurde ihre eigene Chefin. Sie kümmert sich um ihre Stammkundinnen und -kunden, um Bestellungen, die Buchhaltung. 12-Stunden-Tage im Salon sind keine Seltenheit für die Unternehmerin und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Das ist manchmal anstrengend, aber macht sie glücklich. »Ich würde es immer wieder genauso machen.« Ihr geht das Herz auf, wenn die Frauen nach Hause gehen und sich schöner fühlen. Cindy Wrobel kann nicht nur gut mit Haaren, sondern auch mit den Menschen. Für viele Kundinnen ist sie längst eine Freundin. »Ich weiß manche Dinge eher als der eigene Ehemann«, erzählt sie augenzwinkernd. Mal wird geweint, aber viel mehr gelacht. »Und wenn es sein muss, stelle ich mich auch um 22 Uhr an den Frisierstuhl.«
»Cinderella Hair« | Wokrenter Straße 34 | 0381 3375 3275 | www.cinderella-hair.de
Das Maß der Dinge
Fotos: Mathias Rövensthal
Als Andrea Krautz in der Schule ihre Top-3-Berufswünsche aufschreiben sollte, stand auf ihrem Zettel dreimal dasselbe: Friseurin. »Für mich gab’s keine Alternative. Ich habe schon damals meinen Freundinnen die Haare geschnitten.« Andrea Krautz wollte nie Schema F. »Für mich hat der Beruf viel mit Kreativität und Intuition zu tun.« In ihrem ersten Lehrjahr bei der »PGH Elegant«, noch zu DDR-Zeiten, wurde sie für ihren Freigeist belächelt. Sie blieb unbeirrt. Nach der Ausbildung machte sie ihren Meister. Mit Mitte 20 übernahm sie ihr erstes Geschäft. 2005 hat sie, noch unter ihrem Mädchennamen, den 300-Quadradratmeter-Salon »Andrea Pagels Intercoiffure« in der Pädagogienstraße eröffnet. Auf zwei Etagen ist Platz für ihr 14-köpfiges Team, für großzügige Frisierplätze und edle Beratungsinseln. Trends sind für die Friseurmeisterin nicht das Maß der Dinge. »Viel wichtiger ist: Was passt zum Typ? Zur Haarstruktur, zur Körperform und zum Gesicht?«
Jetzt hat sie noch einen Abschluss zum Style-Coach gemacht, demnächst berät die Chefin nicht nur haartechnisch, sondern von Fuß bis Kopf, von Beinkleid bis Brillengestell. Stillstand ist Andrea Krautz ein Graus. »Ich will ständig dazulernen.« Und sie gibt ihr Wissen gern weiter: 40 Azubis hat sie in den Jahren ausgebildet. Die Verwirklichung eines Traums gibt’s nicht geschenkt. Andrea Krautz hat gekämpft wie eine Löwin. Der hohe Kredit für die Einrichtung musste abbezahlt werden. Corona hat ihr schlaflose Nächte
beschert. Und die Entwicklungen in ihrer Branche stimmen sie nachdenklich: Der Friseurberuf ist für immer weniger Mädchen der Traumberuf. Dafür öffnen ständig neue Barbershops. Löhne, die Preise für Versicherungen und Materialien steigen, Kunden müssen für einen Friseurbesuch immer tiefer in die Tasche greifen. Trotz allem: Sie hat den besten Beruf der Welt, findet sie: »Wir
tun den Menschen sehr gut. Das ist gerade in der heutigen Zeit so viel wert!«
»Andrea Pagels Intercoiffure« | Pädagogienstraße 19-20 |
0381 448462 | www.andreapagels.de



