Menschen wollen: einen Freund fürs Kind, einen Partnerersatz zum Kuscheln, einen schnurrenden Begleiter. Was sie bekommen: Einen Kater, der kratzt und sich nicht streicheln lässt. Einen Hund, der an der Leine zieht und nach Nachbars Katze schnappt. Ein Tier eben. Wenn Mensch und Tier nicht zusammenpassen, soll das Tierheim-Team in Schlage es richten.
Heute gekauft, morgen weggeworfen
Sehr viele Menschen wünschen sich einen Hund. Das Problem: Sie bekommen ihn auch. Bei Ebay, unseriösen Züchtern oder windigen Straßenhund-Vermittlern gibt’s alle Rassen und Größen, die das Herz begehrt. Die Liebe ist anfangs groß – und währt manchmal nicht lang. Das Team vom Tierheim Schlage könnte Bücher schreiben über Menschen, denen die Lust an ihrem Tier vergeht
und die es um jeden Preis wieder loswerden wollen. Tierheim-Mitarbeiterin Angelika Streubel nennt es die »Ich will, ich will, ich will«-Mentalität. Heute gekauft, morgen weggeworfen. Diese Menschen stehen dann manchmal vor ihr und zetern, wenn sie ihnen das Tier nicht abnehmen kann. Das Tierheim ist nämlich meistens bis zur letzten Box voll. »Wir sind nicht dafür da, falsche Entscheidungen auszubaden, wenn sich jemand aus der Pflicht stehlen will. Ein Tierheim ist in erster Linie eine Zuflucht für sichergestellte Tiere und für Fundtiere.«
Und da gibt es jede Menge. Immer öfter rettet das Veterinäramt, gemeinsam mit Mitarbeitern des Tierheims und des kommunalen Ordnungsdienstes, Tiere aus schlechter Haltung. Hunde, die jahrelang nicht vor der Tür waren. Katzen, die zu Dutzenden mit dem Besitzer in einer verdreckten, winzigen Wohnung hausen. Und: Kornnattern, Schildkröten, Schafe, Angorakaninchen, Gelbbrustaras. Die Zahl der Sicherstellungen steigt Jahr für Jahr. Dazu kommen Tiere von Besitzern, die in Not geraten – weil sie beispielsweise schwer krank sind.
45 Hunde leben aktuell in Schlage
und Vorsitzende des Rostocker Tierschutzvereins, mit Leiterin Regina Groß.
Wenn der Hund knurrt und die Katze ins Wohnzimmer pinkelt: Oft sind falsche Erwartungen schuld an zerbrochenen Mensch-Tier-Beziehungen. »Die Menschen entscheiden sich für eine bestimmte Hunderasse, weil sie gut aussieht. Aber jeder Hund hat eine Aufgabe, dafür wurde er einmal gezüchtet. Ein Jagdhund, der nicht jagen darf und nur in der Bude hockt, macht irgendwann Blödsinn«, erklärt Viktoria Mehlig, Hundetrainerin im Tierheim. Sie vermittelt zwischen Mensch und Hund, räumt im Training mit Missverständnissen auf – und hat schon einige Familien wieder mit ihrem Vierbeiner versöhnt. 45 Hunde leben aktuell in Schlage. Die meisten haben, nach schlechten Erfahrungen bei ihren ehemaligen Besitzern, Ecken und Kanten. »Manche bleiben bis ans Lebensende bei uns, weil sie nicht mehr vermittelbar sind.« In Schlage bekommen sie nicht nur Futter, medizinische Versorgung und ein Dach überm Kopf. Was die 15 Mitarbeiter nicht schaffen, übernehmen Ehrenamtler: Sie gehen Gassi, streicheln, schenken Zeit. »Ohne sie könnten wir vieles nicht leisten«, erklärt die Leiterin des Tierheims, Regina Groß. Die Arbeit im Tierheim ist hart. Aber oft auch schön, sagt sie. Wenn ein Tier ein neues Zuhause gefunden hat, freut sich das ganze Team. Jede Vermittlung braucht Zeit und Fingerspitzengefühl.
“Die Arbeit im Tierheim ist hart. Aber oft auch schön. Wenn ein Tier ein neues Zuhause gefunden hat, freut sich das ganze Team. Jede Vermittlung braucht Zeit und Fingerspitzengefühl.”
Leiterin des Tierheims, Regina Groß.
Tiere brauchen Platz, Zeit, Zuwendung, Futter und medizinische Versorgung
»Nicht jedes Tier passt in jede Familie, wir klopfen die Umstände immer gut ab«, erklärt Regina Groß. Ein stattlicher Rottweiler in einer Zweiraumwohnung in der 5. Etage – keine gute Idee. Dazu ein Vollzeitjob und kaum Zeit zum Gassigehen – zum Scheitern verurteilt. »Wenn jemand über 80 Jahre alt ist, vermitteln wir keine Babykatze. Da ist eine ältere Katze die bessere Wahl.« Der nächste Haken: Ein Tier ist teuer. Versicherung, Futter, Arzt – da kommt
ein kleines Vermögen zusammen. Wer einen Hund oder eine Katze aus Schlage adoptieren möchte, muss glaubhaft darlegen, dass er sich im Notfall auch eine 1.000-Euro-Operation leisten kann. Das Ziel ist klar: Ein neues Zuhause
fürs Tier, möglichst für immer.
Tierheim Schlage
Seit 1991 finden verwaiste Tiere in der ehemaligen Rinderzuchtanlage in Schlage ein Zuhause. Träger ist der Rostocker Tierschutzverein. Mit Spenden wurden die alten Baracken hergerichtet. Heute haben’s alle 300 Tiere warm und trocken. Die Hansestadt und der Landkreis übernehmen einen Teil der laufenden Kosten, der andere wird aus Spenden finanziert. Jeder Euro hilft, auch Futter ist willkommen. Die WIRO unterstützt das Tierheim seit langem.
Tierheim Schlage / Birkenstr. 14 in Schlage / Tel. 0 38208 357
www.tierheim-schlage.de
Rostocker Tierschutzverein e.V. / Satower Str. 141 in Rostock /
Tel. 0381 4001250
Spendenkonto:
Ostseesparkasse Rostock
IBAN: DE94 1305 0000 0290 0015 01
BIC: NOLADE21ROS
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