Rostock ist ein guter Ort zum Leben. Dafür sorgt, neben vielen anderen Akteuren, auch die WIRO. Der größte Vermieter kümmert sich um mehr als 35.000 Wohnungen, um lebenswerte Wohnumfelder und starke Quartiere. Dazu zählt auch: Die WIRO unterstützt rund 110 Vereine, Initiativen und Projekte aus den Bereichen Sport, Kultur
und Soziales. Wir stellen drei vor:
Plattsnacker
Jens Anders snackt kein Platt. Eigentlich nicht der Erwähnung wert – wäre er nicht ausgerechnet der Vorsitzende vom Plattdeutsch-Verein »Klönsnack-Rostocker 7 e.V.« Der gebürtige Sachsen-Anhaltiner hat sich dem Erhalt der Sprache Norddeutschlands verschrieben. Und so ganz stimmt der erste Satz natürlich nicht. »Ich kann es nicht sprechen, aber ich verstehe Plattdeutsch und zum Mitsingen reicht es allemal.« Der 71-Jährige begleitet den Verein schon lange musikalisch mit seinem Akkordeon. Als die Mitglieder ihn vor vier Jahren fragten, ob er den Vorsitz übernehmen, den Verein zusammenhalten möchte, hat er gleich ja gesagt. Das lückenhafte Sprachvermögen macht er locker wett: Als ehemaliger Quartiersmanager von Toitenwinkel und langjähriges Mitglied im Ortsbeirat ist er in Rostock bestens vernetzt. Die Klönsnacker treten bei Festen auf, sie erfreuen die Bewohner in Pflegeheimen mit kleinen Programmen, veranstalten Gesprächszirkel und Lesungen, besuchen Kitas und Grundschulen. Es ist mühsam, eine Sprache zu retten. »Leider findet sie im Alltag kaum noch Platz. Sehr schade, denn Platt ist regionale Kultur, die verbindet.« Um zu zeigen, wie liebenswert und unverblümt Plattdeutsch sein kann, richtet der Verein einmal im Jahr den Plattdeutschen Büchertag aus. Am Juni wird die Kunsthalle Rostock zur Buchmesse, mit Lesungen, Kulturbeiträgen und Gesprächsrunden. Draußen vor der Halle wird Kurzweil für Kinder und Familien geboten: geführte Spaziergänge, eine lustige Plattdeutsch-Rallye. Fantasia kommt mit dem Mitmachcircus.
12. Plattdeutscher Büchertag
Wann: 6. Juni, 11 bis 17 Uhr
Wo: Stände und Stationen in der Kunsthalle und am Schwanenteich
Wie Bullerbü
Am Rand von Lichtenhagen gibt’s einen Kinderbauernhof, den hätte Astrid Lindgren sich nicht schöner ausdenken können. Hier leben das Pony Raswin, Rosetten-Meerschweinchen Mister Hannelore, die anhängliche Katze Elli. Es gibt Schafe und Ziegen, üppiges Strauchwerk zum Höhlenbauen, Reitplatz und Feuerstelle, einen großen Garten mit Himbeeren und Gemüse. Der Kinderbauernhof gehört zum Familienkompetenzzentrum des ASB, einem modernen Ensemble mit Wohngruppen für Kinder, Jugendliche, alleinerziehende Eltern und vielen weiteren Angeboten zur Lebenshilfe. Kurz: Der ASB kümmert sich hier um Menschen, die es im Leben besonders schwer haben. Gerade in der Arbeit mit den Kindern spielen Tiere eine wichtige Rolle, erzählt Bauernhof-Leiterin Anne-Kathleen Schäfer. Tiere verlangen einen achtsamen Umgang, sie freuen sich über Zuneigung – und geben sie zurück. Die Mädchen und Jungen kümmern sich ums Ausmisten, ums Füttern und Streicheleinheiten. Der Erlebnishof steht nicht nur den ASB-Schützlingen offen. Kitas und Schulen können sich zum Besuch anmelden, und an zwei Nachmittagen in der Woche dürfen alle kommen, die wollen.
Mehr Infos auf: www.asb-kjh.de
In Ehren
Das Verhältnis zu seiner Heimat war nicht ungetrübt. Nach seiner Verhaftung 1948 und Ausreise in den Westen wollte Walter Kempowski erstmal lange nichts von Rostock wissen. Erst nach der Wende hat sich der Schriftsteller mit seiner Geburtsstadt versöhnt, Teile seines Werkarchivs in die Hansestadt gebracht. Sie waren der Grundstock für das Kempowski-Archiv auf dem Klosterhof. Zur Sammlung auf drei Etagen gehören Manuskripte, Tagebücher, Objekte, die in seinen Büchern eine Rolle spielen, Fotos und Erinnerungen der Familie Kempowski. Auch die Zellentür aus dem Rostocker Untersuchungsgefängnis, in dem seine Mutter inhaftiert war, steht in der Ausstellung in dem alten Professorenhaus. Die 130 Mitglieder des Vereins »Kempowski Archiv Rostock – ein bürgerliches Haus« halten das Werk des Rostockers in Ehren. »Er war immerhin einer der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren«, erklärt Archiv-Leiterin Katrin Möller-Funck (Titelfoto). An sechs Nachmittagen pro Woche, außer montags, ist die Ausstellung geöffnet. Es kommen Kempowski-Freunde aus der ganzen Welt. Einmal im Jahr organisiert der Verein die Kempowski-Tage, diesmal im Juli. Die Begeisterung lässt jedenfalls nicht nach. »Zu uns kommen viele Schüler und Studenten, das freut uns besonders.«
Kempowski-Archiv | Klosterhof 3 |
Di bis So 14 bis 17 Uhr



