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Die Strandgärtner Elisa Rakow und Benjamin Wende beackern 3,5 Hektar zwischen Lichtenhagen und Warnemünde. Hier wachsen Portulak und Palmkohl, Ackerbohnen und geringelte Bete.

Wissenswertes

Strandgärtner: Im Rhythmus der Natur

Elisa Rakow und Benjamin Wende beackern 3,5 Hektar zwischen Lichtenhagen und Warnemünde. Hier wachsen Portulak und Palmkohl, Ackerbohnen und geringelte Bete.

Wir lassen uns gern von perfekt gewachsenen Möhren blenden, greifen im Supermarkt zum schönsten Salatkopf. »Darum geht es in der konventionellen Landwirtschaft vor allem um Optik«, erklärt Benjamin Wende (Titelfoto). Es wird gedüngt und gewässert, damit das Gemüse möglichst ruck, zuck zu stattlicher Größe gedeiht. Denn Zeit ist Geld. Was auf der Strecke bleibt: Mineralien, Nährstoffe und Geschmack. Darum baut der studierte Agrarwissenschaftler seit vielen Jahren sein eigenes Gemüse an. »Ich lege großen Wert auf gesundes Essen.« Zwei Meter neben ihm blüht zarter Koriander neben kräftigem Palmkohl. Das Bohnenkraut duftet würzig und die Mangoldstiele leuchten orange. 2013 hat Benjamin Wende auf der Fahrradstraße zwischen Lichtenhagen und Warnemünde ein verwildertes Grundstück entdeckt. »Ich war auf der Suche nach einem Platz für meine Bienen.« Nach und nach hat er die 600 Quadratmeter urbar gemacht – und der Boden stellte sich als sehr fruchtbar heraus. »Wenn Kartoffeln oder Salatköpfe übrig waren, habe ich sie am Straßenrand verkauft.« Immer mehr Rostocker haben sich bei ihm versorgt, also hat er umliegende Flächen dazugekauft, neue Beete angelegt, zwei große Gewächshäuser gebaut. Weil regenerative Landwirtschaft auch heißt, hauptsächlich mit den Händen zu arbeiten, bekommt er Unterstützung: von Elisa Rakow, gelernte Bio-Gemüsegärtnerin.

Die Strandgärtner Elisa Rakow und Benjamin Wende beackern 3,5 Hektar zwischen Lichtenhagen und Warnemünde. Hier wachsen Portulak und Palmkohl, Ackerbohnen und geringelte Bete.
Fotos Mathias Rövensthal

Die beiden Strandgärtner haben einen kleinen Hofverkauf etabliert. Und jeden Samstag verkaufen sie ihre Ernte auf dem Warnemünder Wochenmarkt am Kirchenplatz. Die Gärtnerei liegt etwa einen Kilometer Luftlinie vor der Ostsee. Weil hier immer ein Lüftchen weht, siedeln sich erstens weniger Zwiebelfliegen an, die Schaden anrichten. Zweitens sorgt die Brise dafür, dass die Pflanzen besonders stark und widerstandsfähig werden, erklärt Benjamin Wende. Bei ihm wachsen viele Sorten auf kleiner Fläche, das sorgt für gesunden Boden und verhindert Schädlingsbefall. So sind Hafer und Belugalinsen ein perfektes Paar: Die Linsen düngen den Hafer, dessen Halme wiederum dienen den dünnen Linsenstängeln als Stütze. Bei den Strandgärtnern wachsen Gemüse und Kräuter langsam mit dem Rhythmus der Natur, ohne Chemie und große Maschinen. »Das schmeckt man.« Die Fenchelblüten
sind so süß wie Bonbons, der Meerrettich treibt einem die Tränen in die Augen.

Die Strandgärtner Elisa Rakow und Benjamin Wende beackern 3,5 Hektar zwischen Lichtenhagen und Warnemünde. Hier wachsen Portulak und Palmkohl, Ackerbohnen und geringelte Bete.
Palmkohl ist besonders nährstoffreich.

Ihre Ernte vertreiben die Strandgärtner ausschließlich lokal, denn lange Transportwege schmälern den Vitamingehalt. »Wenn Sie bei uns Mangold kaufen, schneiden wir den frisch vom Beet.« Was am Ende nicht verkauft wird, landet beispielsweise im selbstgemachten Pesto. Kräuter sind eine Spezialität der Strandgärtner. Was in Warnemünde alles wächst, bekommt man sonst nur im gut sortierten Supermarkt: Kerbel, Currykraut, Sauerampfer, Koriander, Basilikum und Oregano, Schafgarbe, Thymian und Bohnenkraut.

»Kräuter sind nicht nur zum Würzen gut«, erklärt Benjamin Wende. Er nutzt sie beispielsweise zur Entgiftung. »Das Wissen um die heilenden Wirkungen ist leider zum großen Teil verloren gegangen.« Biogärtnerin Elisa Rakow gärtnert nicht nur mit Leib
und Seele. Sie kocht, bäckt und experimentiert mindestens genauso gern. Ihre aktuell liebsten Kreationen: Erdbeer-Zucchini-Marmelade und Apfel-Fenchel-Salat. »Ich habe für jedes Gemüse mindestens drei Rezepte im Kopf«, erzählt die 34-Jährige. »Ich berate unsere Kunden, weil ich möchte, dass sie mit unseren Sachen etwas anfangen können.« Gemüse und Kräuter verkaufen die Strandgärtner nicht nur frisch. Sie stellen daraus Tees und gesunde Säfte her, neuerdings auch Öl aus Leinsamen und Schwarzkümmel.

Kräutertipp

Man braucht keinen grünen Daumen, um Kräuter auf dem Balkon zu ernten. Benjamin Wendes Tipp zum Haltbarmachen: Einfrieren. Kräuter klein hacken, in einen Eiswürfelbehälter füllen, mit
Wasser aufgießen und einfrieren.

Die Strandgärtner: Groß Kleiner Weg 20a – Hofverkauf: Di & Fr 10 – 17 Uhr, Sa 14 – 17 Uhr
Warnemünder Wochenmarkt: jeden Samstag 8 – 13 Uhr / Telefon: 0151.50640538

Frankfurter Grüne Soße

Die kalte, gesunde Soße aus frischen Kräutern schmeckt nicht nur in Frankfurt. Im Original-Rezept müssen diese sieben dabei sein:
Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch, zusammen rund 250 Gramm.

Daneben braucht man:
200 g Schmand und 200 g Naturjoghurt, 2 hartgekochte Eier, 1 EL Senf, 1 Spritzer Zitronensaft oder Apfelessig, 1 Prise Zucker, Salz und Pfeffer.

KI-erstelltEin brauner Teller mit Kartoffeln, Ei und Frankfurter Grüner Soße.

Zubereitung: Kräuter waschen, trocknen lassen und holzige Stiele entfernen. Mit einem scharfen Messer sehr fein hacken. Schmand mit Senf und Zitronensaft glattrühren. Die hartgekochten Eier pellen, kleinhacken oder zerdrücken und zur Soße geben. Kräuter unter die Masse heben, mit Salz und Pfeffer abschmecken. 1 Stunde im Kühlschrank durchziehen lassen. Zur grünen Soße passen neben Pellkartoffeln halbierte, hartgekochte Eier oder Schnitzel.

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Grafik - empfangene E-Mail, Hand hält ein Mobiltelefon mit einem Icon, dass eingegangene E-Mails anzeigt

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