Ein Mittwochvormittag Ende September, die Sonne lacht. Hinterm Rostocker Hauptbahnhof wartet ein vergnügtes Grüppchen älterer Damen. In ihrer Mitte: Daniel Radziock, WIRO-Reiseleiter, Mitte 40, nicht zu verfehlen in seiner roten Jacke. Viel Zeit zum Plaudern bleibt nicht, der Joost´s-Bus ist pünktlich. Daniel Radziock bietet seinen Arm zum Einsteigen an, Fahrer Maik Harder begrüßt jeden Neuankömmling persönlich. Die Südstädterinnen setzen sich auf die letzten freien Plätze. Die anderen Mitfahrer hat Harder bereits in ihren Stadtteilen eingesammelt, wie Margitta Reinke aus Lütten Klein. Die Seniorin reist seit mehr als 20 Jahren mit dem Reiseklub. Ihre liebste Tour? »Ich kann mich nicht entscheiden, erinnere mich an jede so gern.«
Sie mag es, dass der Bus meist quer über Land fährt und nicht über die Autobahn. Die WIRO-Mieter haben schon den Spreewald im Kahn erkundet, waren bei der Apfelblüte im Alten Land, haben in Kopenhagen Großstadtluft geschnuppert und sich beim Musical in Berlin amüsiert.
Heute ist die Fahrt kurz, es sind keine 70 Kilometer bis zum ersten Halt auf dem Darß. In den Sitzreihen werden Gartentipps ausgetauscht, stolz Neuigkeiten von den Enkeln berichtet. Viele Mitfahrer kennen sich, es ist ein bisschen wie Klassenfahrt. Inge Flemming aus Evershagen hat heute ihre Nachbarin Waltraud Pless im Schlepptau. Inge Flemming, 85 Jahre alt, hat vor zwei Jahren ihre erste Fahrt mit dem Reiseklub gebucht. »Alles ist organisiert, ich muss mich um nichts kümmern. Besser geht es nicht.« Wenn das neuste Mietermagazin im Kasten liegt, blättert sie als Erstes zur nächsten Ankündigung.
Sechs Ziele fährt der Reiseklub pro Saison an. Manchmal ist das Interesse so groß, dass drei Busse fahren. Auch bei der letzten Fahrt des Jahres in wenigen Tagen, wenn es zu »Moulin Rouge! Das Musical« nach Hamburg geht. »Im Winter planen wir dann die neue Saison«, erklärt Daniel Radziock, er ist seit vielen Jahren Kopf und Herz des Reiseklubs. Jedes Ziel wählt er akribisch und mit Bedacht aus. »Es muss von A bis Z passen. Das Essen ist zum Beispiel ganz wichtig!« Und die Führungen müssen auch für die machbar sein, die nicht gut zu Fuß sind. Das größte Problem ist meistens: »Wir packen zu viel Programm in einen Tag und müssen am Ende abspecken.« Ein Ziel für 2027 steht übrigens schon fest, auf Wunsch vieler Mieter. »Es geht noch einmal nach Hiddensee.«

Titel(Fotos): Karsten Peters – KI-bearbeitet.
Ankunft in Günz, einem kleinen Dorf bei Barth. Die NABU-Kranichwelten sind ein moderner, schwarzer Klotz mitten in der Landschaft. Die WIRO-Mieter staunen über ausgestopfte Kraniche unter der Decke, lauschen den Rufen aller 15 Kranicharten. Amelie vom NABU führt die WIRO-Gruppe durch die Ausstellung. Sie erklärt, dass Kraniche bis zu 1.200 Kilometer am Stück fliegen und dass ihre Luftröhre über einen Meter lang ist. Die lauten Trompetenrufe, die sie damit erzeugen können, kennt Inge Flemming gut. Wenn sie morgens in ihrem Bett in Evershagen liegt, fliegen im Herbst täglich Kraniche über ihr WIRO-Haus. »Die kommen vom Schnatermann und fliegen Richtung Doberan«, erzählt sie auf dem Weg zum »Kranorama«, einem Ausguck mit Blick auf die Günzer Seewiesen. Hunderte Kraniche stehen dort auf ihren langen Beinen und picken Mais- und Weizenkörner. Insgesamt 10.000 rasten aktuell in der Boddenlandschaft auf ihrem Weg von Skandinavien in den Süden.

Es ist 14 Uhr und die Reisegruppe hat Hunger. Nach wahlweise Zander, Roulade oder Pute im Hafen von Barth fährt Maik Harder die Rostockerinnen und Rostocker nach Zingst, zum Höhepunkt des Tages: eine Fahrt auf der »Sundevit« über den Barther Bodden bis nach Pramort. An der Meerenge wollen sie später in der Dämmerung den Kranicheinflug beobachten. Das Fahrgastschiff gleitet vorbei an Reetdächern und Segelbooten. Karsten Peter, ein erfahrener Kranichexperte vom NABU, vertreibt den Gästen die Zeit mit unterhaltsamen Fakten und Fotos, auf denen schwarzweiße Vögel tanzen, springen, balzen, kämpfen. Die Sonne geht langsam unter, so richtig kitschig wie ein Feuerball. Viele Gäste klettern mit Ferngläsern und Fotoapparaten aufs Deck. Und da kommen sie tatsächlich: In perfekter V-Formation fliegen die Graukraniche übers Wasser zu ihren Schlafplätzen auf den kleinen Inseln. Auf der Rückfahrt nach Rostock am späten Abend sind sich alle einig: Der Reiseklub hat sich wieder gelohnt.
So reisen WIRO-Mieter:
Für den Reiseklub hat sich die WIRO einen Partner gesucht: »Joost’s Ostsee-Express« veranstaltet die Fahrten. Die Tagestouren zwischen Mai und November werden mit einem Coupon in der »WIRO aktuell« angekündigt. Die Verträge kommen direkt zwischen den Teilnehmern und dem Busunternehmen zustande.



