Es duftet nach Kokosstreuseln. Heute ist Mittwoch und Kuchentag im »T´winkelhus«. Die ehrenamtlichen Bäckerinnen haben sich wieder selbst übertroffen, ruft ein Besucher quer über die Tische im Foyer. Willkommen im DRK-Mehrgenerationenhaus in Toitenwinkel!
Aus den Familienzimmern hört man Kinderlachen bis auf den Flur. In der Töpferei arbeiten die Kursteilnehmerinnen hochkonzentriert an Gespenstern aus Ton. Im Kleiderstübchen stöbern ein paar junge Mädchen zwischen Wollpullovern, Winterjacken, Skihosen, Babystramplern und Herrenhemden. Alles Kleiderspenden von Rostockern, die gegen eine Schutzgebühr zwischen 50 Cent und 2 Euro weitergegeben werden.
Annelene Neubauer sortiert gerade bunte Gummistiefel für Kinder ins Regal. Die 87-Jährige – so fidel, dass sie für viel jünger durchgeht – ist fast jeden Mittwoch da, um zu helfen. Auch in der Küche packt sie mal mit an oder bei Aufräumaktionen im Haus.
Anfangs kam sie als Besucherin, jeden Montag zum Seniorensport. »Nach und nach wurde mehr daraus. Im Kleiderstübchen fühle ich mich besonders wohl, die Beratung liegt mir im Blut.« Das »T’winkelhus« in der Olof-Palme-Straße ist wichtig für den Stadtteil, findet die gelernte Verkäuferin. »Hier trifft man viele nette Leute.« Im feinen Tanzcafé, im Nähkurs oder am Tauschregal im Flur. Der große Wochenplan am Eingang ist von oben bis unten voll mit Angeboten.
Leiterin Maria Mauga hat im Haus den Hut auf. Fotos: Mathias Rövensthal
Das funktioniert nur, sagt Thomas Hinz, zuständig für die Mehrgenerationenarbeit, weil das festangestellte Team und die Ehrenamtlichen zusammenarbeiten. »Unser Konzept basiert darauf, dass die Menschen aus dem Stadtteil mit anpacken. Die Aufgaben
sind vielfältig und wir freuen uns immer über neue Ideen und Mitstreiter.« 50 Rostockerinnen und Rostocker gehören zur großen Freiwilligen-Familie. Der jüngste Neuzugang ist Lara Langmacher, die 17-Jährige hilft ebenfalls im Kleiderstübchen.
Maria Mauga leitet das T´winkelhus seit drei Jahren. Sie weiß, dass etwa jeder zweite Toitenwinkler allein lebt. »Bei uns können alle Menschen Anschluss und Gemeinschaft finden.« Die Jüngsten lernen Karate bei einer Weltmeisterin oder chillen nachmittags im Jugendclub. Die Berufstätigen kommen nach der Arbeit zum Zumba oder Yoga, die Älteren zum Malkurs oder zum gemeinsamen Singen. »Wir versuchen immer wieder, auch etwas Neues anzubieten.« Ein Repair-Café ist in Planung und eine regelmäßige
Skatrunde. Zur Wahrheit gehört auch, dass einige den ersten Besuch im offenen Stadtteilhaus scheuen. »Ich sage immer: Einfach reinkommen! Hier wird jeder herzlich empfangen.« Ein guter Anlaufpunkt ist zum Beispiel die Fahrradwerkstatt. Jeden Tag zwischen 9 und 13 Uhr unterstützen ehrenamtliche Profis Toitenwinkler dabei, ihren Drahtesel wieder herzurichten. Und sie möbeln ausrangierte Räder wieder auf, die man für einen Obolus erstehen kann.
Kontakt
DRK-Stadtteil- und Begegnungszentrum und
Mehrgenerationenhaus »T’winkelhus«
Olof-Palme-Straße 26



