WIRO_aktuell_Juli_2024

FOTOS: DOMUSIMAGES Andreas Kriehn ist glücklich: Jette Müller fährt nach Paris. Die Wasserspringerin des WSC Rostock ist seit 24 Jahren die erste, nach Dörte Lindner und Stefan Ahrens, die es zu Olympia schafft. Für Kriehn, der in diesem Jahr den Vereinsvorsitz an einen Nachfolger abgeben möchte, hätte seine Ehrenamts-Ära nicht schöner enden können. Seit 2001 leitet er die Geschicke des Wasserspringens in Rostock. Zwei Jahre zuvor war der SC Empor nach fast 50 Jahren auseinandergebrochen. Die Wasserspringer, wie auch alle anderen Sportarten des großen Vereins, mussten eine neue Heimat finden. »Trotz vieler Bedenken haben wir einen eigenständigen Verein gegründet.« Der Wasserspringerclub Rostock e.V. führt bis heute fort, was 1955 begonnen hat. Die neu eröffnete Neptunschwimmhalle war damals landesweit die einzige mit einem 10-Meter-Turm – mit Fahrstuhl für die Sportler und einem Unterwasserfenster für die Trainer. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten: 1964 in Tokio holte Ingrid Engel-Krämer im Kunstspringen das erste olympische Gold für Rostock. 1976 schaffte es Christa Köhler mit dem »Anderthalb Salto vorwärts mit dreifacher Schraube« vom 3-Meter-Brett auf den zweiten Platz. Silber 1980 und 1996, Bronze im Jahr 2000 – und dann eine lange Olympia-Pause. 150 Kinder und Jugendliche trainieren heute im Landesleistungszentrum und Bundesstützpunkt in der Neptunschwimmhalle. 19 davon haben es in den Bundeskader geschafft. Natürlich geht es bei den Jüngsten noch nicht um Perfektion. In der Vorschule halten die Trainer bei Schwimmkursen und Schnuppertrainings Ausschau nach Talenten. »In den ersten Jahren ist nur der Spaß wichtig.« Wer den hat, und dazu Mut und ein gutes Körpergefühl, der kann in der fünften Klasse den nächsten Schritt gehen. Wohlüberlegt. »Die Entscheidung für den Leistungssport muss die ganze Familie mittragen.« Denn das heißt für die nächsten Jahre: täglich zwei Trainingseinheiten, kaum Wochenenden, Wechsel in eine Sportlerklasse. Dazu Trainer und Kameraden, mit denen man manchmal mehr Zeit verbringt als mit Eltern und Geschwistern. Und: üben, üben, üben – auf dem Trockenen und im Becken. Ballett an der Stange, Akrobatik, Turnen und Kraft, sogar Basketball. Es braucht Tausende Versuche an der Longe über dem Sprungbecken, bis aus dem Kopfsprung ein Salto wird, bis Schrauben und Rückwärtssprünge sitzen. »Körperhaltung und Spannung müssen perfekt sein bis zum kleinen Zeh.« Schon winzige Fehler kosten im Wettkampf Punkte. Zehn Jahre hartes Training braucht es, um in die deutsche Spitze zu kommen, sagt Andreas Kriehn. »Der Weg ist lang und voller Entbehrungen.« Mal geht es rauf, mal runter. »Ich ziehe den Hut vor unseren Sportlern und bin wahnsinnig stolz!« www.wsc-rostock.de Perfekt bis zum kleinen Zeh Andreas Kriehn, Vorsitzender vom WSC mit 600 Mitgliedern, war selbst nie Wasserspringer. Seine Frau, früher erfolgreiche Turmspringerin, hat ihren Mann vor 43 Jahren mit ihrer Begeisterung angesteckt. Schnuppertraining Kinder zwischen 5 und 8 Jahren sind freitags ab 17 Uhr zum Schnuppertraining in der Neptunschwimmhalle in der Kopernikusstraße willkommen. WIRO mittendrin 6

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