FOTOS: ADOBESTOCK.COM Warum gibt es den Weißen Ring? »Den Gründern ging es Mitte der 70er-Jahre gegen den Strich, dass immer die Täter im Fokus der Öffentlichkeit standen – und die Opfer von Straftaten allein gelassen wurden. Dabei kämpfen die Opfer manchmal lebenslang mit den Folgen.« Wie können Sie unterstützen? »Zuallererst bekommen Menschen, die sich bei uns melden, seelischen Beistand. Wir hören zu und schauen: Was brauchen sie jetzt? Beispielsweise helfen wir mit Beratungsschecks für ein Gespräch beim Anwalt oder für eine psychologische Erstberatung. Wir stellen den Kontakt zu Selbsthilfegruppen her, begleiten zu Ärzten und Ämtern. Wir sind Lotsen im Hilfesystem. Manchmal geraten Opfer zu allem Übel auch noch in wirtschaftliche Notlagen. Ein Beispiel: Eine Frau wird von ihrem Mann verprügelt und flieht mit ihrem Kind. Sie hat nichts. Keine Bleibe, keinen Job, nicht mal Kleidung. Wir unterstützen finanziell, im Ausnahmefall bis hin zur Grundausstattung einer neuen Wohnung mit gebrauchten Möbeln. Nach besonders schweren Straftaten ermöglichen wir traumatisierten Opfern auch mal einen Tapetenwechsel für ein paar Tage.« Woher kommt das Geld für Ihre Arbeit? »Wir bekommen keine staatlichen Hilfen, sondern finanzieren uns aus Spenden, Nachlässen und Zuweisungen von Bußgeldern. Richter können frei entscheiden, wem Bußgelder zugutekommen. Wir werben dafür, dass der Weiße Ring nicht vergessen wird.« Wie viele Opfer betreuen Sie im Jahr? »Die schlechte Nachricht: Jahr für Jahr werden es mehr Fälle. 2024 hat unsere Außenstelle 120 Opfer betreut. Bei jedem Zweiten ging es um häusliche Gewalt. Ein Viertel der Fälle sind Sexualdelikte. Was hier auffällt: Die Opfer melden sich manchmal erst Jahre nach der Tat. So lange versuchen sie vergeblich, das Problem mit sich alleine auszumachen. Wir kümmern uns auch um Opfer von Stalking, Diebstahl und Raub. Internetbetrug spielt eine immer größere Rolle: von Love Scamming, auf Deutsch Liebesbetrug, bis hin zu Erpressungsversuchen mit gefälschten pornografischen Bildern.« MITLEID hilft niemandem Ob im Krimi oder in den echten Nachrichten: Nach einem Verbrechen dreht sich fast alles um den Täter. Das wollte Eduard Zimmermann von »Aktenzeichen XY… ungelöst« ändern und hat vor 50 Jahren den Weißen Ring gegründet. Der Verein steht seitdem an der Seite der Opfer von Straftaten. Matthias Höhne leitet die Außenstelle für Rostock und den Landkreis Rostock, von insgesamt 400 die drittgrößte in Deutschland, mit 21 Ehrenamtlern. Matthias Höhne hat bis zur Rente als Chemiker in der klinischen Forschung gearbeitet. Heute leitet er ehrenamtlich die Außenstelle des Weißen Rings für Rostock und den Landkreis Rostock. FOTO: DOMUSIMAGES Wissenswertes 6
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