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eim Discounter gibt’s ein Brot für unter zwei Euro. Bei Bäcker Lehmann kostet es dreimal so viel. »Handwerk hat seinen Preis«, sagt Richard Groht. Der große Unterschied: Ein echtes Bäckerbrot braucht Zeit. Um die 20 Stunden arbeitet der Sauerteig in der Backstube, wird alle paar Stunden mit Mehl gefüttert. »In dieser Zeit spalten die Mikroorganismen das Mehl auf, machen es besser bekömmlich. Der Teig säuert und der würzige Brotgeschmack entwickelt sich.« Industriell gefertigtes Brot kommt nach dem Kneten direkt in den Ofen. Zeit ist Geld. Das bedeutet: wenig echtes Aroma, Bauchweh für empfindsame Mägen. Aber Richard Groht sieht es auch pragmatisch. »Es gibt mittlerweile zu wenige Handwerksbäcker in Rostock. Wir könnten nie und nimmer alle Rostocker versorgen.« Lehmann ist ein alter Familienbetrieb. 1938 eröffnet Wilhelm Lemcke, Urgroßvater von Richard Groht, die Backstube in Alt-Dierkow – damals gerade neu. Später übernimmt Schwiegersohn Manfred Lehmann, danach dessen Sohn Herold. Neffe Richard Groht kennt die Backstube von klein an, beide Eltern arbeiten im Familienbetrieb. Aber er hat andere Pläne, macht eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Als sich partout kein Nachfolger für die Bäckerei findet, beginnt er mit Anfang 20 doch noch eine Bäckerausbildung, macht den Meister hinterher. Seit 2013 führt der 38-Jährige die Backstube und die Geschäfte. »Die alten Familienrezepte haben wir nicht verändert.« Aber Richard Groht geht auch mit der Zeit. Er bäckt Brot mit Dinkelvollkorn, Buchweizen, mit Honig, Nüssen oder Schinken. 350 Brote und rund 1.200 Brötchen verlassen Tag für Tag die Backstube, nicht nur für den eigenen Laden, auch für Großküchen und Einrichtungen. Und er hat ein zweites Standbein aufgebaut: die Keksmanufaktur. In vielen Supermärkten der Region stehen Aufsteller mit Lehmanns Gebäck. 20 Angestellte hat der Unternehmer. Für sein Team ist die Arbeit nicht nur ein Job, sagt der Chef stolz. »Wir greifen wie Zahnräder ineinander und stehen zusammen.« Auch das bedeutet Familienbetrieb. Trotzdem: »Die Verantwortung, jeden Monat genug Geld zu verdienen, raubt mir manchmal den Schlaf«, sagt er. Gerade wenn wieder die Preise steigen, für Energie oder Mehl. Es wird nicht einfacher, das steht fest. Trotzdem denkt er nicht ans Aufhören. Dazu liebt er das traditionelle Bäckerhandwerk zu sehr. »Ich will es erhalten. Mit den eigenen Händen etwas zu schaffen, aus nur Mehl, Salz, Wasser und Hefe, ist eine sehr erfüllende Aufgabe.« www.bäckereilehmann.de Liebe zum brot Mit B Brötchen am Morgen, Schwarzbrotstulle zum Abendbrot. Darauf lässt Bäckermeister Richard Groht nichts kommen. Low Carb und Gluten hin oder her. »Gutes Brot ist ein nahrhaftes Lebensmittel.« Ein Besuch in seiner Backstube in Alt-Dierkow. Er führt die Bäckerei Lehmann in vierter Generation. Bäckerei Lehmann Gösselweg 14 Di bis Sa 8 - 17 Uhr Wohnen + Leben 8

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