WIRO_aktuell_Januar_2026

Was ist eigentlich KI? »Die Idee der Künstlichen Intelligenz stammt schon aus den 50er-Jahren. Wissenschaftler waren überzeugt, dass sie mit Erkenntnissen aus Neurowissenschaft und Informatik denkende Maschinen bauen können. Mathematische Neuronen sollten menschliches Denken imitieren. Es ist viel Zeit vergangen, bis Rechenleistung und Datenmengen das möglich gemacht haben. Heute reden wir über Sprachmodelle wie ChatGPT oder Gemini, sie spielen im Alltag der Menschen die größte Rolle.« Nun haben wir die ersehnte Künstliche Intelligenz, die denken kann wie wir? »KI denkt nicht, sie berechnet Sprache und Kommunikation. Die KI rechnet mit Wahrscheinlichkeiten aus, welche Wörter, Bilder und Muster zusammengehören, welches Wort auf ein anderes folgt. Jeder Antwortsatz der KI entsteht aus tausenden mathematischen Operationen. Die Sprachmodelle geben wieder, welche Antwort im Kontext der Frage am wahrscheinlichsten ist.« Aber wenn ich ChatGPT etwas frage, bekomme ich oft richtig schlaue Antworten! »KI-Sprachmodelle werden mit wahnsinnig großen Datenmengen trainiert. Wir reden von Milliarden Wörtern. ChatGPT weiß aus allen Informationen, mit denen es gefüttert wurde – darunter Lexika, Bücher, Blogs, wissenschaftliche Texte – dass beispielsweise die Fledermaus ein Säugetier ist, weil beide Wörter immer wieder zusammen genannt werden. KI nutzt Sprache sehr überzeugend. KI kann sogar kreativ wirken, wenn sie Gedichte, Bilder oder Musik erzeugt. Aber all das ist Simulation, Stochastik und Statistik.« Was kann KI? Und was nicht? »KI kann einen klassischen Intelligenztest mit Ergebnissen bestehen, die im Bereich der Hochbegabung liegen. Sie kann Logikaufgaben und Zahlenreihen lösen, Muster erkennen, dafür wurde sie entwickelt. Aber sie ist nicht intelligent. Sie versteht die Aufgaben und ihre Bedeutung nicht im menschlichen Sinne. Wenn man die Aufgaben mit gesundem Menschenverstand kombiniert, scheitert die KI. Nehmen wir dieses Beispiel: ›Wie führe ich einen Fisch Gassi?‹ Ein Mensch würde die Frage absurd finden und sagen: ›Fische gehen nicht spazieren.‹ Die KI kann Sinn nicht von Unsinn unterscheiden, sie nimmt die Frage wörtlich, würde eher so antworten: ›Sie können ihn in einem tragbaren Aquarium transportieren.‹ KI hat keine Emotion. Sie ist nicht traurig, nicht fröhlich. Sie ist nicht kreativ, intuitiv und auch nicht empathisch.« In welchen Bereichen kann KI uns nützen? »Die KI-Sprachmodelle fassen Informationen in sehr kurzer Zeit zusammen und sparen Arbeit. Routine- und Standardaufgaben kann eine gut programmierte KI übernehmen. Wo Flexibilität, Gefühl und Spontanität gefragt sind, braucht es immer Menschen. Die großen KI-Allrounder sind aber nur eine Seite. Es gibt großartige KI-Spezialanwendungen, beispielsweise für die Medizin. In der medizinischen Bildgebung kann die KI Abweichungen von der Norm erkennen, die einem Menschen möglicherweise verborgen bleiben. Hier kann KI die Diagnostik effizient unterstützen. Auch die Uni Rostock, mit dem Zentrum für Künstliche Intelligenz in MV, entwickelt spezialisierte KI-Lösungen.« KI macht einigen Menschen Angst. Sie fürchten, sie könnte wie im Film »Terminator« außer Kontrolle geraten. Ist das berechtigt? »Die KI erfüllt nur die Aufgaben, die der Mensch ihr gibt. Sie wird nicht allein losmarschieren und angreifen. Aber natürlich lassen sich theoretisch KIs programmieren, die Schaden anrichten.« Fluch oder Segen? Terminator oder Heilsbringer? Künstliche Intelligenz begeistert die einen – und macht anderen Angst. Alke Martens, Professorin an der Uni Rostock, ist Expertin für KI, Ethik und digitale Bildung. Wir haben mit ihr gesprochen. ››KI denkt nicht‹‹ Wissenswertes 8

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