100 Ehrenamtliche begleiten beim ambulanten Rostocker Hospiz- und Kinderhospizdienst Menschen auf dem letzten Stück ihres Weges. Madlen Grolle-Döhring vom Kinderhospizdienst OSKAR im Gespräch. Warum gibt es einen Hospizdienst extra für Kinder? Was ist in der Arbeit anders? »Kinder und Jugendliche, die schwer erkrankt sind und wissen, dass sie sterben werden, haben andere Themen und Bedürfnisse als Erwachsene. Es hängt auch immer eine Familie dran. Kinder mit lebensbegrenzenden Krankheiten begleiten wir oft über viele Jahre.« Wie sieht die Begleitung konkret aus? »Wir begleiten aktuell 24 Familien aus Rostock und dem Landkreis, jede ganz individuell, so wie sie es braucht. Im Zentrum steht natürlich das erkrankte Kind. Wir nehmen uns Zeit für Gespräche, wir lesen vor, zocken gemeinsam am Computer, wenn das der Wunsch ist. Wir sind auch für die Geschwisterkinder da, denn die stecken viel zurück. Wir übernehmen Fahrten zum Sportverein, helfen bei Schularbeiten. Nicht zu vergessen: Auch die Eltern wollen wir entlasten und stärken. Wir versuchen, kleine Auszeiten zu ermöglichen: unser Frühstück für Mütter, Bastelnachmittage für Geschwister, Ausflüge mit den Familien.« Ist die Arbeit nicht sehr bedrückend? Wie gehen Sie mit dem Sterben um? »Bei unserer Arbeit, ob mit kleinen Kindern oder alten Menschen, geht es ums Leben, nicht um den Tod. Es wird viel gelacht und Quatsch gemacht. Das Leben soll bis zum Schluss so gut und schön wie möglich sein. Viele Menschen wollen gar nicht über ihr Sterben reden. Nach unserer Erfahrung reden sie lieber über ihr Leben und das, was es ausgemacht hat.« Wer kann sich an Sie wenden? »Alle Menschen, die das Thema Sterben betrifft. Weil sie wissen, dass ihr Leben bald endet oder das eines Angehörigen. Gerade ältere Menschen kommen leider oft sehr spät. Dabei merken wir, wenn wir Palliativstationen besuchen und an die Zimmertüren klopfen: Es tut den Menschen gut, wenn ihnen jemand die Hand reicht und sagt: ,Ich bin da für dich.´ Wenn sie noch einmal mit jemandem reden können, der nicht urteilt und moralisiert.« Erzählen Sie bitte etwas über die Ehrenamtlichen. »Unsere Ehrenamtlichen haben unterschiedlichste Hintergründe und Biografien. Das ist auch gut so, denn wir schauen immer sorgsam, welcher Begleiter zu welchem Menschen passen könnte. Vor dem ersten Einsatz werden Freiwillige in der Hospizarbeit ausgebildet.« Wie finanzieren Sie die Arbeit? »Die Hospizarbeit finanzieren die Krankenkassen. Aber danach lassen wir die Menschen nicht alleine. Für unsere Trauerarbeit sind wir auf Spenden angewiesen. Wir haben Trauergruppen für Kinder, die jemanden aus ihrem Umfeld verloren haben, für Jugendliche und junge Erwachsene, für verwaiste Eltern. Und wir richten das offene Trauercafé an jedem dritten Dienstag im Monat in der August-Bebel-Straße 32b aus, da ist jeder willkommen. Menschen mit ähnlichen Erfahrungen zu treffen, ist eine große Kraftquelle.« »Ich bin da für dich« Kinderhospizdienst Rostock 0381 40310202 kinderhospiz@ hospizdienst-rostock.de Hospizdienst Rostock 0381 4031 0201 hospiz@hospizdienst-rostock.de Hospiz am Klinikum Südstadt (ambulant + stationär) 0381 4401 – 6676 hospiz@kliniksued-rostock.de FOTO: MATHIAS RÖVENSTHAL Hospizdienste www.hospizdienst- rostock.de www.hospiz-rostock.de 6 Wohnen + Leben
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