WIRO_Februar_2026

Sehr viele Menschen wünschen sich einen Hund. Das Problem: Sie bekommen ihn auch. Bei Ebay, unseriösen Züchtern oder windigen Straßenhund-Vermittlern gibt’s alle Rassen und Größen, die das Herz begehrt. Die Liebe ist anfangs groß – und währt manchmal nicht lang. Das Team vom Tierheim Schlage könnte Bücher schreiben über Menschen, denen die Lust an ihrem Tier vergeht und die es um jeden Preis wieder loswerden wollen. Tierheim-Mitarbeiterin Angelika Streubel nennt es die »Ich will, ich will, ich will«-­ Mentalität. Heute gekauft, morgen weggeworfen. Diese Menschen stehen dann manchmal vor ihr und zetern, wenn sie ihnen das Tier nicht abnehmen kann. Das Tierheim ist nämlich meistens bis zur letzten Box voll. »Wir sind nicht dafür da, falsche Entscheidungen auszubaden, wenn sich jemand aus der Pflicht stehlen will. Ein Tierheim ist in erster Linie eine Zuflucht für sichergestellte Tiere und für Fundtiere.« Und da gibt es jede Menge. Immer öfter rettet das Veterinäramt, gemeinsam mit Mitarbeitern des Tierheims und des kommunalen Ordnungsdienstes, Tiere aus schlechter Haltung. Hunde, die jahrelang nicht vor der Tür waren. Katzen, die zu Dutzenden mit dem Besitzer in einer verdreckten, winzigen Wohnung hausen. Und: Kornnattern, Schildkröten, Schafe, Angorakaninchen, Gelbbrustaras. Die Zahl der Sicherstellungen steigt Jahr für Jahr. Dazu kommen Tiere von Besitzern, die in Not geraten – weil sie beispielsweise schwer krank sind. Wenn der Hund knurrt und die Katze ins Wohnzimmer pinkelt: Oft sind falsche Erwartungen schuld an zerbrochenen Mensch-TierBeziehungen. »Die Menschen entscheiden sich für eine bestimmte Hunderasse, weil sie gut aussieht. Aber jeder Hund hat eine Aufgabe, dafür wurde er einmal gezüchtet. Ein Jagdhund, der nicht jagen darf und nur in der Bude hockt, macht irgendwann Blödsinn«, erklärt Viktoria Mehlig, Hundetrainerin im Tierheim. Sie vermittelt zwischen Mensch und Hund, räumt im Training mit Missverständnissen auf – und hat schon einige Familien wieder mit ihrem Vierbeiner versöhnt. 45 Hunde leben aktuell in Schlage. Die meisten haben, nach schlechten Erfahrungen bei ihren ehemaligen Besitzern, Ecken und Kanten. »Manche bleiben bis ans Lebensende bei uns, weil sie nicht mehr vermittelbar sind.« In Schlage bekommen sie nicht nur Futter, medizinische Versorgung und ein Dach überm Kopf. Was die 15 Mitarbeiter nicht schaffen, übernehmen EhBitte für immer! Menschen wollen: einen Freund fürs Kind, einen Partnerersatz zum Kuscheln, einen schnurrenden Begleiter. Was sie bekommen: Einen Kater, der kratzt und sich nicht streicheln lässt. Einen Hund, der an der Leine zieht und nach Nachbars Katze schnappt. Ein Tier eben. Wenn Mensch und Tier nicht zusammenpassen, soll das Tierheim-Team in Schlage es richten. Angelika Streubel (li.), Tierheim-­ Mitarbeiterin und Vorsitzende des Rostocker Tierschutzvereins, mit Leiterin Regina Groß. FOTOS: MATHIAS RÖVENSTHAL Wohnen + Leben 8

RkJQdWJsaXNoZXIy NTI3Ng==