Ob man die eigenen Schränke entrümpelt oder Omas Hausstand geerbt hat: Viel Ausrangiertes ist, auch wenn man es selbst nicht mehr mag, zu gut für den Müll. Im Rückkonsumzentrum auf dem Recyclinghof Lütten Klein bekommt Brauchbares – vom alten Vertiko bis zum unbenutzten Laufrad – seit ein paar Monaten eine zweite Chance. Wenn die umgebaute Lagerhalle voll ist, veranstaltet die Stadtentsorgung Rostock einen großen Flohmarkt. Der Ansturm auf den ersten Ende Januar hat sie fast umgehauen, erzählt HanseSchatz-Chefin Juliane Sprunk. Nach vier Stunden war so gut wie alles verkauft. Nun ist die 300 Quadratmeter große Halle schon wieder gut gefüllt. Für den nächsten Termin am 21. März warten jede Menge Unikate: Geschirr aus allen Epochen, ein Porträt von Erich Honecker, Schallplatten, eine Kiste Happy Hippos, Angeln, ein Snowboard, eine Harfe, eine Kinderwiege, Lattenroste. Der Unterschied zum normalen Flohmarkt: Alle Gegenstände sind gereinigt, sortiert und arrangiert – und man kann echte Schnäppchen machen. Gläser gibt’s ab 50 Cent, eine Kristallschale für einen Fünfer, Vintage- Kommoden für ein paar Euro. Rückkonsum ist das Gegenteil von Wegwerfgesellschaft: Ausgemustertes, was noch funktioniert, endet nicht im Müll, sondern kommt wieder in den Nutzungskreislauf. Für Juliane Sprunk, die schon als Kind an keinem Sperrmüll vorbeigehen konnte, ist der HanseSchatz noch mehr als ein Nachhaltigkeitsprojekt. Sie erlebt immer wieder, wie schwer es Menschen fällt, sich von Dingen trennen zu müssen – meist aus Platzgründen. »Dahinter stecken emotionale Werte. Ich freue mich sehr, wenn diese Gegenstände durch uns noch ein Leben bekommen.« So kommt das Sortiment zusammen: In der Regel bringen Rostocker die gut erhaltenen Stücke selbst zum Recyclinghof. Die Mitarbeiter haben das letzte Wort, ob sich alles für den Flohmarkt eignet. Perspektivisch ist auch ein Abholservice geplant. Schatzjäger werden hier glücklich: Im Rückkonsumzentrum HanseSchatz auf dem Recyclinghof Lütten Klein wird günstig verkauft, was für den Sperrmüll zu schade ist. FOTOS: MATHIAS RÖVENSTHAL Manches ist nagelneu und noch verpackt, anderes antik. Drei Mitarbeiter nehmen die gebrauchten Gegenstände an und bereiten sie auf. HanseSchatz-Leiterin Juliane Sprunk 6 Wohnen + Leben
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