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Rudolf und Bärbel Mütschow, er wohnt fast sein ganzes Leben, seit 80 Jahren, in derselben Wohnung in der Kölner Straße.

Wohnen + Leben

Ein Leben, ein Zuhause – 80 Jahre im Hansaviertel

Fast sein ganzes Leben wohnt Rudolf Mütschow in derselben Wohnung in der Kölner Straße. Eine berührende Geschichte über Zuhause, Nachbarschaft und Rostock.

Rudolf Mütschow hat fürs Interview einen Stapel Fotos zurechtgelegt. Ganz oben eine alte Schwarz-Weiß-Aufnahme: Eine Horde Kinder, ordentlich aufgereiht vorm Haus, er als kleiner Butscher mittendrin. »Der Fotograf kam hin und wieder in unsere Straße, hat uns zusammengerufen und fotografiert.« Ein paar Tage später brachte er die fertigen Abzüge, bot sie den Familien zum Kauf an. »Sonst gäbʼs kaum Bilder aus der Zeit, nach dem Krieg hatte keiner einen Fotoapparat.«

Ein altes Schwarz-Weiß-Foto, auf dem eine Truppe Kinder mit Holzrollern in einer Reihe stehen.
Ein altes privates Schwarz-Weiß-Foto, auf dem eine lächelnde Frau mit zwei jungen Zicklein im Arm zu sehen ist.
Fotos: privat

Rudolf Mütschow war erst ein paar Monate alt, als seine Eltern 1946 mit ihm und den beiden großen Schwestern von Langenort ins Hansaviertel umzogen. Das Ostseestadion gabʼs noch nicht, dafür kleine Kolonialwarenläden an den Straßenecken und viel Platz für die Jungen und Mädchen in der Nachbarschaft. So brav, wie sie fürs Foto standen, waren sie selten, erzählt der gelernte Maler schmunzelnd. »Die ganze Straße gehörte uns, es gab nur ein einziges Auto weit und breit.« Sie haben Treibball gespielt und Brummkreisel. Oder sie waren beim Kartoffelstoppeln in der Südstadt, damals noch Acker.

Es gab wenig, alles war knapp. Rudolf Mütschow zeigt ein verblasstes Foto, seine Mutter als junge Frau. Sie lacht fröhlich in die Kamera und hält zwei Zicklein auf dem Arm. »Auf dem Hinterhof hatten wir einen kleinen Stall, auch für die Hühner.« Bis in die 60er-Jahre haben die Mieter auf den Innenhöfen Tiere gehalten und Gemüse angebaut. Die Mietergärten verschwanden später, die grünen Innenhöfe im Hansaviertel sind heute nur noch zum Entspannen da.

Die vielen Kinder im Viertel wurden älter. Sie wollten einen Platz für sich. 1960 bekamen sie von der Stadt die Erlaubnis, sich im Barnstorfer Wald einen Jugendclub zu bauen – heute ist das der Greifclub. Eines Tages kam Bärbel zum Tanz. Eine fesche Reutershägerin, die dem groß gewachsenen Rudolf gleich gefiel. Lange hielten sie ihre Liebe geheim. Als er sein Mädchen endlich den Eltern vorstellte, kurz vor Weihnachten 1967, war sie schon im sechsten Monat schwanger. Seine Familie nahmʼs gelassen. »Meine Schwiegermutter hat mich mit offenen Armen empfangen«, erinnert sich Bärbel Mütschow, gelernte Schneiderin. Nach der Hochzeit blieb trotzdem erstmal alles beim Alten, denn eine freie Wohnung gabʼs nicht. Bärbel hat mit der ersten Tochter noch vier Jahre bei ihren Eltern gewohnt und Rudolf bei seinen. Als im Nachbarhaus eine kleine Wohnung frei wurde, sind die älteren Mütschows dorthin umgezogen und überließen der jungen Familie die große Wohnung. Da war die zweite Tochter schon unterwegs. Heute haben die Mütschows vier Enkeltöchter und drei Urenkeltöchter. Weil die oft zu Besuch kommen, wurden die drei Zimmer nie zu groß. »Meine Frau wollte früher immer eine Neubauwohnung mit Zentralheizung.« Bei aller Liebe kam das für ihn nie infrage. »Wo man mich auch aussetzt, ich würde immer wieder nach
Hause kommen.«

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Grafik - empfangene E-Mail, Hand hält ein Mobiltelefon mit einem Icon, dass eingegangene E-Mails anzeigt

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