Während bundesweit intensive Diskussionen über die Zukunft und Finanzierbarkeit der Pflege geführt werden, geht die WIRO Wohnen in Rostock einen bewusst mutigen Schritt: Mit der Einrichtung ambulant betreuter Wohngemeinschaften für Menschen mit Pflegegrad erprobt das kommunale Wohnungsunternehmen im Stadtteil Lütten Klein ein neues Geschäftsmodell – und setzt damit ein starkes Signal unter unsicheren Rahmenbedingungen.
Im Neubau Warnowallee 23a entstehen auf zwei Etagen insgesamt 19 barrierefreie Apartments, organisiert in zwei selbstbestimmt geführten Wohngemeinschaften. Der Bezug ist für den 1. Juli 2026 geplant. Das Konzept verbindet individuelle Rückzugsräume mit gemeinschaftlich genutzten Flächen und richtet sich an Menschen mit Pflegegrad, die weder allein leben noch in ein stationäres Pflegeheim ziehen möchten.
Fotos: Mathias Rövensthal
Zwischen ambulant und stationär
Mit dem Projekt positioniert sich die WIRO bewusst im Spannungsfeld zwischen klassisch betreutem Wohnen und stationärer Pflege. „Gerade mit Blick auf die absehbaren Veränderungen in der Pflegefinanzierung müssen neue Modelle entwickelt werden, die sowohl wirtschaftlich tragfähig als auch gesellschaftlich sinnvoll sind“, sagt WIRO-Teamleiter Thomas Krentz. Die Bewohner organisieren ihr Zusammenleben weitgehend selbst und wählen einen Beirat, der gemeinschaftliche Belange regelt. Pflegeleistungen werden individuell über frei wählbare ambulante Dienste bezogen und separat abgerechnet. Das Besondere: eine gemeinschaftlich finanzierte Präsenzkraft übernimmt organisatorische Aufgaben und unterstützt im Alltag.
Unternehmerischer Mut in unsicherem Umfeld
Die Rahmenbedingungen für Pflegeangebote befinden sich derzeit im Wandel. Steigende Kosten, Fachkräftemangel und politische Reformdebatten erhöhen die Unsicherheiten für Anbieter. Vor diesem Hintergrund zeigt das Engagement der WIRO exemplarisch, wie etablierte Marktakteure neue Wege beschreiten können.
„Als kommunaler Vermieter mit Erfahrung im Quartiersmanagement und im Bereich soziale Wohnangebote sehen wir es als unsere Aufgabe, innovative Lösungen mitzugestalten – auch dann, wenn die langfristigen Rahmenbedingungen noch nicht abschließend geklärt sind“, so Krentz weiter.
Hohe Nachfrage, differenzierte Perspektiven
Der große Andrang beim Tag der offenen Tür Ende Mai unterstreicht das Interesse an alternativen Wohnformen im Alter. Viele Besucher bewerteten das Angebot als wichtigen Impuls für die Weiterentwicklung der Pflege- und Wohnlandschaft. Gleichzeitig zeigte sich, dass das WG-Modell nicht für alle Zielgruppen geeignet ist. Neben der Bereitschaft zum gemeinschaftlichen Leben stellen insbesondere die monatlichen Kosten eine Zugangshürde dar. Neben der Miete schätzt die WIRO die Grundkosten aller gemeinschaftlichen Leistungen auf etwa 700 Euro pro Person.
Beitrag zur Weiterentwicklung des Pflegemarktes
Das Projekt macht deutlich, dass die Zukunft der Pflege nicht allein in bestehenden Versorgungsstrukturen liegt, sondern in hybriden Konzepten, die Selbstbestimmung, Gemeinschaft und flexible Leistungen verbinden. Ambulant betreute Wohngemeinschaften können dabei insbesondere für Menschen mit niedrigem bis mittlerem Pflegebedarf eine tragfähige Alternative sein. Mit dem Modellprojekt in Rostock liefert die WIRO einen praxisnahen Beitrag zur aktuellen Debatte über die Neuausrichtung der Pflegefinanzierung – und zeigt, dass unternehmerischer Mut und Innovationsbereitschaft zentrale Voraussetzungen sind, um den demografischen Herausforderungen zu begegnen.
Besonderes Wohnhaus in Lütten Klein
Der Rostocker Stadtteil Lütten Klein liegt auf halbem Weg zwischen Innenstadt und Warnemünde – ein Ort mit einem Angebot wie in einer Kleinstadt. Mittendrin vermietet die WIRO in der Warnowallee 23a ein besonderes Wohnhaus. Der neu gebaute Zwölfgeschosser ist nicht das höchste Gebäude im Stadtteil, hat aber mit seinem besonderen Konzept die Nase vorn: neben den beiden Wohngemeinschaften gibt es insgesamt 67 Wohnungen, 63 davon sozial gefördert. Neben dem Treppenhaus gibt es zwei Aufzüge. Die Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern sind 56 bis 90 Quadratmeter groß, haben bodentiefer Fenster, Balkon und einen Abstellraum in der Wohnung. Die modernen Bäder sind mit Badewanne oder Dusche ausgestattet. Es gibt Wohnungen mit geschlossenen und offenen Küchen. Vermietet werden die Wohnungen entsprechend der Förderrichtlinie „Wohnungsbau Sozial MV“ im sogenannten „1.Förderweg“ für 6,60 €/m² und im „2. Förderweg“ für 7,40 €/m²: Alle Wohnungen sind barrierearm gestaltet, fünf weitgehend barrierefrei.



