Sommerzeit ist Krimizeit. Die perfekte Strandlektüre für die heißen Tage bietet »Heaven’s Gate« von Daniel Faßbender. Allein das Cover passt schon hervorragend zum Badeurlaub.
Auf der philippinischen Insel Surogao lebt Caruso, ein mehr oder minder abgehalfterter Privatdetektiv, der sich seine Freizeit – von der er mehr hat, als ihm lieb ist – mit Surfen und Rumtrinken vertreibt. Die Aufträge lassen auf sich warten, das Geld ist knapp, aber so richtig viel braucht man auf der Insel, die vom Tourismus noch weitgehend unberührt ist, eh nicht. Caruso scheint vor etwas aus seiner Vergangenheit wegzulaufen und hier auf Surogao endlich genügend Abstand gefunden zu haben.
Eines Tages kreuzt eine Frau bei ihm auf, die ihn bittet, ihren Sohn zu finden. So schwer kann das ja nicht sein, denkt Caruso, und ein bisschen Geld kann er gut gebrauchen. Doch bei seinen Recherchen auf der Insel wird schnell klar, dass hier eine Parallelwelt aus Korruption, Schmuggel und Kriminalität existiert, von der der Gelegenheitsdetektiv nichts geahnt hat. Je tiefer er gräbt, desto gefährlicher wird es für ihn, bis er schließlich die ersten Opfer in seinem Freundeskreis zu betrauern hat. Spätestens hier geht Caruso auf, dass ihn dieser Auftrag auch das Leben kosten kann.
Diogenes Verlag 2026, 304 Seiten, 18 Euro
Daniel Faßbender schreibt seinen Krimi sehr unterhaltsam. Die ersten beiden Drittel werden von Coolness der Hauptfigur beherrscht. Caruso ist nicht mehr ganz in Form, trinkt zu viel und versteht im Laufe des Romans nicht immer, wo er da hineingeraten ist, bleibt aber gelassen und hat stets einen lockeren Spruch auf den Lippen. Ein bisschen erinnert das an manche Rollen, die Bruce Willis in seinen Erfolgsfilmen verkörperte – klassisch männlich, aber auch verletzlich, auf coole Art seine Schwächen kompensierend. Caruso ist da ganz ähnlich: wenn man denkt, die Situation ist aussichtslos, holt er von irgendwo eine Kraft oder Logik her, die ihn befreit.
Manchmal hat er auch mehr Glück als Verstand, was ihn aber noch sympathischer macht. Sehr erfrischend ist auch das Überdenken alt hergebrachter Männlichkeiten. Auf Seite 278 kommt Caruso die Eingebung: »Vielleicht musste das alte Pimmeldenken einfach aussterben.« Recht hat er! Das letzte Drittel dann wird deutlich ernster und brutaler, verwandelt den Roman fast in einen Thriller. Die kurzen Kapitel liefern jede Menge Cliffhanger, was während der Lektüre durchaus den Atem nehmen kann. Die Hauptfigur mit ihrer geheimnisvollen Vergangenheit ist so angelegt, dass da noch viel mehr zu erzählen ist, so dass eine Fortsetzung sehr wahrscheinlich ist.
Mit »Heaven’s Gate« macht man als Krimi-Fan definitiv nichts falsch, spannende Unterhaltung ist garantiert.
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