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Bookster Stefan Härtel mit seinem Buchtipp "Die Liebe, später" von Gisa Klönne

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Booksters Buchtipp: »Die Liebe, später« von Gisa Klönne

Lesen ist großartig – nur was? Für alle, die Inspiration suchen, präsentiert der Rostocker Buchblogger Stefan Härtel jeden Monat ein aktuelles Buch.

Bücher über aufkeimendes Liebesglück gibt es jede Menge. Auch das plötzliche Ende einer Liebe durch Unehrlichkeiten oder Schicksalsschläge aller Arten ist ein häufiges Thema, vielleicht sogar das meistbeschriebene. Aber was ist mit den Beziehungen, die einfach so vor sich hinsterben? Die ohne Grund und Drama heimlich, still und leise auf ihr Ende  zutaumeln? Gisa Klönnes neuer Roman  »Die Liebe, später«  verhandelt genau diese Tragik, die in der realen Welt sicherlich häufiger vorkommt als man meinen würde. 

Kora  und Anselm sind seit vielen Jahren ein Paar. Sie sind erfolgreich in ihren Berufen – sie als Journalistin, er in einem Bundesministerium –, und bereiten sich privilegiert auf ihren Lebensabend vor. Doch pünktlich zum bevorstehenden Ruhestand erhält  Kora  die Diagnose eines Herzfehlers. Die erforderliche Operation ist riskant, glückt jedoch, so dass sie unerwartet in ein neues Leben starten kann, geschenkte Jahre, die gefüllt werden wollen. Pläne hat sie viele, doch merkt sie, dass Anselm mit wenig sehr zufrieden ist. Sein Interesse gilt Libellen, die er am neu angelegten Gartenteich züchten will. Mehr nicht.  So sieht sein Ruhestand aus. Das ist  Kora  zu wenig. 

Gisa Klönne, »Die Liebe, später«, Hardcover Rowohlt Kindler Verlag 2026, 320 Seiten, 24 Euro
Gisa Klönne, »Die Liebe, später«,  Hardcover 
Rowohlt Kindler  Verlag 2026,  320  Seiten,  24 Euro 

Die Liebe zu ihm ist ungebrochen  – Anselm ist der Mann an ihrer Seite, daran wird sich nichts ändern. Aber die Aussicht, bis ans Ende auf den Teich zu starren, erfüllt  Kora  mit einer Furcht, die sie noch gar nicht an sich kannte. Ihr Herz schlägt wilder als seines, schneller, sie will mehr als er, weiß nur nicht genau, was. Doch für eine Trennung reicht dieses Ungleichgewicht längst nicht aus. Sehnsucht nach Freiheit versus ungebremste Liebe – das ist der bittere Kampf, der in  Kora  tobt. 

Gisa Klönne, die in der Vergangenheit eher als Krimiautorin in Erscheinung trat, hat sich mit  »Die Liebe, später«  einem Thema angenommen, dass tatsächlich viel zu wenig ergründet wird. Das Sterben der Liebe zwischen  Kora  und Anselm kommt augenscheinlich unaufgeregt daher, doch zwischen den Zeilen liegt eine Tragik versteckt, die die Hauptfigur vor Lebensfragen stellt, die kaum zu beantworten sind.  Kora  bleibt äußerlich ruhig – ob aus Coolness oder Überforderung ist schwer zu sagen –, lässt Anselm gewähren, während ihre Sehnsucht immer größer wird. 

Ein Seitenstrang der Handlung wird für  Kora  zur Feuerprobe: Die Frau eines Freundes ist spurlos verschwunden. Ihr Mann vermutet einen Unfall oder gar ein Gewaltverbrechen.  Kora  aber  kommt der Gedanke, dass die Frau einfach Reißaus genommen hat, dass sie der eigenen Sehnsucht nachgegeben und ihren Mann verlassen hat. Auch eine Lösung, wenn auch keine schöne. 

Klönnes Sätze kommen gänzlich ohne Pathos aus, eine große Leistung bei einem Thema wie der Liebe, dem wohl größten der Literatur seit jeher. Es wäre sicher ein Leichtes gewesen, bei dieser Geschichte in  romantischen Kitsch  abzurutschen, doch diesen Fehler begeht Klönne nicht. Sie schreibt mit der nüchternen Kunstfertigkeit einer  lebensweisen  Autorin, die vielleicht ähnliches erfahren hat. 

Eine Leseempfehlung  kann für ein breites Publikum  ausgesprochen werden,  es bleibt aber zu vermuten, dass Personen jüngeren Alters viele Facetten von  Koras  Kampf weniger nachvollziehen können. Vielleicht braucht es erst zwanzig, dreißig Jahre Beziehung, um die tiefe Tragik dieses Buches zu erkennen, dann  aber zeigt sich die wahre  Größe dieses Buches  umso deutlicher.

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Grafik - empfangene E-Mail, Hand hält ein Mobiltelefon mit einem Icon, dass eingegangene E-Mails anzeigt

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