WIRO_Juni_2026

auf der Reminschen Wiese von Hand gemäht, um seltenen Orchideen Licht und Luft zu verschaffen. Und mit Schubkarren und Spaten einen alten Entwässerungsgraben im Moor verfüllt. Der stammt genau wie der Hochsitz noch aus DDR-Zeiten, als das Hütelmoor landwirtschaftlich genutzt und dafür trockengelegt wurde. »Moore speichern Unmengen an Kohlenstoff. Sobald sie trocken gelegt werden, entweicht dieser als Treibhausgas Kohlenstoffdioxid«, erklärt Jonathan Schleißing. »Wenn wir Moore wieder vernässen, können diese Emissionen sofort gestoppt werden.« Mit Urlaub hat so eine Bergwald-Woche nichts zu tun. Trotzdem sind Sabine und Norbert, vom Niederrhein und beide um die 60, schon das siebte Jahr bei einem Projekt dabei. In der Rostocker Heide sind sie das zweite Mal. »In erster Linie machen wir das aus ökologischer Überzeugung, wir wollen dem Klimawandel etwas entgegensetzen und sind gern draußen.« Aber auch, um neuen Menschen zu begegnen, und etwas dazuzulernen. Erst heute konnten sie im Hütelmoor den seltenen Gesängen von Rohrdommel und Gelbspötter lauschen – zwei Vogelarten, die erst durch die Wiedervernässung zurückgekehrt sind. Wolle kommt aus der Nähe von Augsburg und ist seit 2013 bei jedem Einsatz an der Ostsee dabei. »Ich bin in Bayern im Einklang mit der Natur aufgewachsen und habe mein Herz an die Rostocker Heide verloren.« Nebenbei ist er ein großer Plattdeutsch-Freund, erzählt der 72-Jährige schmunzelnd. »Wir sind sehr froh über die Unterstützung«, erklärt Revierförster Christoph Willert, zuständig für Hinrichshagen. Das Stadtforstamt überträgt dem Bergwaldprojekt Spezialaufgaben, die es selbst nicht leisten kann. Gerade bei der Renaturierung der Moore haben die Rostocker dem Verein viel zu verdanken. »Um die Moore wieder zu vernässen, sind viele Handgriffe nötig und das Bergwaldprojekt hat in dem Bereich eine Menge Erfahrung.« Die Freiwilligen arbeiten für Kost und einfache Logis in der Forstbaumschule Hinrichshagen. Die Einsätze werden von den Forstämtern, die sie engagieren, und über Spenden finanziert. BERGWALDPROJEKT E.V. IN ZAHLEN Rund 50.000 Freiwillige waren in Deutschland bisher im Einsatz. Mehr als 6 Millionen Bäume wurden gepflanzt. Rund 20.000 Kilometer nicht mehr genutzte Wildschutzzäune wurden demontiert. 172 Projektwochen sind für 2026 an 95 verschiedenen Standorten für mehr als 5.000 Freiwillige organisiert. Mehr Infos und Termine: www.bergwaldprojekt.de FOTOS: MATHIAS RÖVENSTHAL · BERGWALDPROJEKT Neben dem Hütelmoor steckt noch Plastikfolie im Waldboden, aus Zeiten der Torfnutzung. Die Freiwilligen haben säckeweise Plastik entsorgt. Rechts: Jonathan Schleißing schleppt alte Bretter aus dem Moor. 7 Wohnen + Leben

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